Eine Website-Migration zählt auch im Jahr 2026 zu den risikoreichsten Maßnahmen im Bereich der Suchmaschinenoptimierung. Da Googles Systeme stark auf Signale zu Nutzererfahrung, Vertrauenswürdigkeit, strukturierte Daten und technische Performance reagieren, können selbst kleine Fehler bei einem Redesign oder Domainwechsel zu spürbaren Einbrüchen bei Traffic und Umsatz führen. Eine strukturierte technische Checkliste vor und nach dem Go-live ist daher keine Option, sondern eine zwingende Grundlage für einen stabilen Übergang.
Bevor ein Redesign startet, muss zunächst klar sein, welche Inhalte aktuell Traffic, Rankings und Conversions generieren. Dazu werden vollständige Daten aus der Google Search Console, Google Analytics 4, Server-Logs und professionellen SEO-Tools exportiert. Indexierte URLs, Top-Landingpages, Seiten mit starken Backlinks sowie relevante Suchanfragen müssen identifiziert werden, damit zentrale Assets nicht versehentlich verloren gehen.
Ein vollständiger technischer Crawl der bestehenden Website ist unverzichtbar. Tools wie Screaming Frog, Sitebulb oder JetOctopus helfen dabei, Statuscodes, Canonical-Tags, interne Verlinkungsstrukturen, Metadaten, strukturierte Daten und hreflang-Konfigurationen zu dokumentieren. Dieser Crawl dient als Referenzbasis für den späteren Vergleich nach dem Launch.
Ebenso entscheidend ist eine Backlink-Analyse. Seiten mit hochwertiger externer Verlinkung dürfen nicht ohne Weiterleitung verschwinden. Fehlende oder fehlerhafte 301-Redirects gehören zu den häufigsten Ursachen für Traffic-Verluste nach einer Migration. In wettbewerbsintensiven Branchen kann der Wiederaufbau verlorener Autorität viele Monate dauern.
Vor dem finalen Entwicklungsabschluss sollte ein detailliertes URL-Mapping-Dokument erstellt werden. Jede alte URL benötigt ein klares Ziel: beibehalten, zusammenführen, weiterleiten oder entfernen. Redirect-Ketten sind konsequent zu vermeiden. Jede Weiterleitung sollte direkt per permanentem 301-Statuscode auf die finale Zieladresse verweisen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Pagination, Filterstrukturen, facettierte Navigation und parameterbasierte URLs. Auch wenn Google im Jahr 2026 deutlich besser mit Parametern umgehen kann, führen inkonsistente Einstellungen weiterhin zu Duplicate-Content-Problemen. Canonical-Tags und eine saubere interne Verlinkung sichern die thematische Relevanz.
Umfasst die Migration einen Domainwechsel oder die Umstellung auf HTTPS, müssen DNS-Planung und SSL-Validierung präzise abgestimmt werden. Tests in einer Staging-Umgebung mit blockierter Indexierung verhindern, dass Suchmaschinen unfertige Versionen crawlen.
Der Go-live-Zeitraum ist besonders sensibel. Eine falsch konfigurierte robots.txt oder ein versehentlich gesetztes noindex-Tag kann dazu führen, dass die gesamte Website aus dem Index verschwindet. Vor dem Launch muss daher geprüft werden, ob alle Entwicklungsrestriktionen entfernt wurden und die produktive Version vollständig crawlbar ist.
Unmittelbar nach dem Launch sollte ein erneuter Crawl der Live-Seite durchgeführt werden. Dieser wird mit dem Pre-Migrations-Crawl verglichen. Zu prüfen sind unerwartete 404-Fehler, fehlerhafte Canonicals, fehlende Metadaten, defekte interne Links oder veränderte Überschriftenstrukturen. Selbst kleine Template-Anpassungen können die Keyword-Ausrichtung beeinflussen.
XML-Sitemaps müssen neu generiert und in der Google Search Console sowie in den Bing Webmaster Tools eingereicht werden. Aktuelle und saubere Sitemaps beschleunigen die Re-Indexierung nach strukturellen Änderungen erheblich. Enthalten sein dürfen ausschließlich kanonische URLs mit 200-Statuscode.
Ein Redesign bringt häufig neue Skripte, Tracking-Codes und visuelle Elemente mit sich. Diese können die Ladezeiten negativ beeinflussen. Core Web Vitals bleiben auch 2026 ein Rankingfaktor, insbesondere auf mobilen Endgeräten. Largest Contentful Paint, Interaction to Next Paint und Cumulative Layout Shift sollten nach dem Launch sorgfältig gemessen werden.
Strukturierte Daten müssen mit dem Rich Results Test und dem Schema Markup Validator überprüft werden. Im Zuge eines Redesigns werden häufig Templates angepasst, wodurch Schema-Markup für Produkte, Artikel oder FAQs ungewollt entfernt wird. Fehlende strukturierte Daten können die Darstellung in den Suchergebnissen deutlich einschränken.
Auch die mobile Darstellung ist kritisch zu prüfen. Da Google vollständig auf Mobile-First-Indexing setzt, dürfen sich Inhalte, strukturierte Daten und interne Verlinkungen zwischen Desktop- und Mobilversion nicht unterscheiden.

In den ersten vier Wochen nach der Migration ist tägliches Monitoring erforderlich. Impressionen, Klicks, Crawling-Statistiken und Indexierungsberichte in der Google Search Console liefern frühzeitig Hinweise auf Probleme. Kurzfristige Schwankungen sind normal, anhaltende Einbrüche in einzelnen Bereichen deuten jedoch meist auf Redirect- oder Strukturprobleme hin.
Server-Log-Analysen gewinnen in dieser Phase an Bedeutung. Sie zeigen, wie Suchmaschinen-Bots die neue Website tatsächlich crawlen. Wenn wichtige Seiten zu selten besucht werden oder irrelevante URLs überproportional Aufmerksamkeit erhalten, sollte das Crawl-Budget optimiert werden.
Rankings sollten nicht nur keywordbasiert, sondern segmentiert nach Seitentypen überwacht werden. Kategorien, Blogbereiche und Produktseiten reagieren häufig unterschiedlich. Eine frühzeitige Mustererkennung ermöglicht schnelle Korrekturen, bevor sich Verluste verfestigen.
Im Rahmen eines Redesigns werden Inhalte oft gekürzt oder neu formuliert. Dabei muss sichergestellt werden, dass zentrale Informationsseiten weiterhin fachlich fundiert, vollständig und transparent bleiben. Besonders bei sensiblen Themenbereichen sind klare Vertrauenssignale unverzichtbar.
Autorenseiten, Unternehmensinformationen und Kontaktmöglichkeiten dürfen nicht entfernt oder versteckt werden. Solche Elemente stärken Expertise und Vertrauenswürdigkeit. Eine durchdachte interne Verlinkung zwischen thematisch verwandten Inhalten unterstützt die Autorität der gesamten Website.
Kommt es trotz technisch sauberer Umsetzung zu deutlichen Traffic-Verlusten, sollte ein Vergleich mit Wettbewerbern erfolgen. Möglicherweise haben Konkurrenten ihre Inhalte parallel ausgebaut. Eine Migration findet nie isoliert vom Marktumfeld statt.